Ein Angebot von:
Der Medienpädagogische Atlas Niedersachsen bietet einen Überblick über die Institutionen, Einrichtungen, Gruppen und Vereine, die medienpädagogische Aktivitäten und Angebote in Niedersachsen offerieren. mehr lesen
Suchen Sie nach Themen, Zielgruppen, Institutionen oder nach bestimmten Schlagworten.
Ein Überblick über die medienpädagogischen Angebote in Ihrem Ort.
    Suchen Sie nach beliebigen Begriffen in den medienpädagogischen Angeboten.
      Meldung vom 12.09.2013

      Mobile Game Lab: Eine Gemeinschaft von Spielern, Forschern und Entwicklern

      Bremen, Sommer 2013, eine Gruppe Kinder macht sich auf den Weg ins Freie, jedes hält ein Smartphone in der Hand. Sie diskutieren, zeigen, laufen, schauen auf das Display und in ihre Umgebung. Die Kinder spielen eine Schnitzeljagd der besonderen Art; und zwar auf dem Smartphone mit digitaler Karte, verborgenen Hinweisen und versteckten Stationen. Ziel ist, alle Stationen in der Umgebung zu finden und die hinterlegten Aufgaben zu lösen. Wenn alle Stationen gefunden und abgelaufen wurden, kommt die Kindergruppe zurück ins Zentrum für Informations- und Medientechnologien (ZIMT) der Hochschule Bremen, lernt, wie eigene Ideen mit mobilen Technologien realisiert werden können und entwirft eigene Schnitzeljagden.

      Die Kinder verbringen einen Tag im Mobile Game Lab, dem Labor für mobile Spiele, das von Forschern der Hochschule Bremen im Rahmen des BMBF-Forschungsprojektes ›Landmarken Mobiler Unterhaltung‹ aufgebaut wird. Das Lab, das sich zum Ziel gesetzt hat, Spieler, Forscher und Entwickler mobiler Spiele zusammenzubringen und gemeinsame Konzepte auszuprobieren, zu diskutieren und zu verbessern, lässt sich als Plattform und Instrument für lokale Gemeinschaften nutzen.

      Was sind mobile Spiele?
      Mobile Spiele nutzen die Alltagswelt der Spieler und verbinden sie mit virtuellen Elementen. Grundlage der Interaktion sind die physische Bewegung der Spieler und ihre Lokalisierung. Das erste und zugleich bekannteste mobile Spiel ist Geocaching, bei dem die Koordinaten eines Caches (aus dem englischen: ›geheimes Lager‹) im Internet veröffentlicht werden und der Cache dann mit Hilfe eines GPS-Gerätes gesucht werden kann. Mobile Spiele bieten fast unbegrenzte Möglichkeiten; sei es die Schnitzeljagd auf dem Smartphone, die die Spieler zu verborgenen Stationen führt, die Verfolgungsjagd durch die Stadt oder das Erobern eines bestimmten Gebietes mit seinem eigenen Team. So geht es zum Beispiel bei dem Spiel ›Mister X Mobile‹, einer mobilen Version von ›Scotland Yard‹, das von dem Unternehmen qeevee entwickelt wurde, darum, mit einem Team von Detektiven Mister X zu fangen.

      Mister X ist ebenfalls einer der Spieler, der quer durch die Stadt flüchtet und nur in bestimmten Zeitabständen auf der digitalen Karte sichtbar wird. Das Spielerleben ›jagen und gejagt zu werden‹ führt dazu, die eigene Umgebung auf neue Weise wahrzunehmen. Die Bedeutung der Alltagswelt ändert sich auch für Spieler des mobilen Spieles ›Ingress‹ von Google. Die Spieler müssen an realen Orten, meist zentrale Orte in der Stadt, geheimnisvolle Materie sammeln, um weitere Missionen für den Spielverlauf freizuschalten. Diese Orte werden dadurch zu wichtigen Elementen in der Spielwelt. Die Spieler sind in gegnerische Lager aufgeteilt und stehen entweder auf der Seite der Erleuchtung oder des Widerstandes. Für Mitglieder des Mobile Game Labs ist es möglich, mit dem Online-Editor ›mobile game lab GeoQ‹ eigene Spiele auf Basis des Schnitzeljagdmechanismus zu erstellen. Einen Zugang zum Editor gibt es unter www.mobilegamelab. de.

      Nicht nur ein Forschungslabor
      Das Forschungsziel des BMBF-Projektes ist es, Landmarken als Nebeneffekt von mobilen Spielen zu gewinnen. Landmarken sind markante Punkte in der Umgebung, die Menschen zur Orientierung und Navigation nutzen. Die Spieldaten werden im Hinblick auf Landmarken ausgewertet, die wiederum für die Entwicklung von lokalen Karten und für die Fußgängernavigation genutzt werden. Voraussetzung ist, dass fortlaufend gespielt wird.

      Das Mobile Game Lab ist jedoch von Anfang an mehr als nur ein Forschungslabor. Es eröffnet Spielmöglichkeiten für alle Altersgruppen. In der Hand lokaler Gemeinschaften von Spielern, Forschern und Entwicklern ermöglicht es die Entwicklung von lokalen Spielen, die Produktion von regionalen Karten, die Unterstützung der Gemeinschaften. In diesem Zusammenhang werden aktuell zwei Vorhaben angestoßen.

      Eine Station des Mobile Game Labs wird in der Bremer Innenstadt am Postamt 5 von der Hochschule Bremen zusammen mit dem Bremer Sportgarten e. V., dem Fab Lab und der Uni Bremen aufgebaut. Hier sollen junge und alte Spieler die Möglichkeit haben, Spiele auszuprobieren, mit vorhandenen Editoren eigene Spiele zu erstellen und einen Einblick in die Welt der Spieleprogrammierung zu bekommen.

      Eine andere Station des Mobile Game Labs soll in Ahaus, einer eher ländlich geprägten Region in Nordrhein-Westfalen, aufgebaut werden. Dabei stehen die lokalen Gemeinschaften aller Altersgruppen und die Möglichkeit des Erlebens von Natur und Kultur in kleineren Kommunen und Gemeinden im Vordergrund. In diesem Zusammenhang bieten mobile Spiele die Möglichkeit, kulturelle Inhalte für Spiele aufzubereiten und für verschiedene Zielgruppen erlebbar zu machen.

      Das Projekt und auch ein mit dem Projekt verbundenes Promotionsvorhaben zielen darauf ab, Kulturlandschaften spielerisch zu erschließen und Karten zu produzieren, die im Sinne der einzelnen Kommunen genutzt werden können. Dieses Vorhaben soll im Rahmen eines LEADERProjekts (Liaison entre actions de développement de l'économie rurale / Verbindung zwischen Aktionen zur Entwicklung der ländlichen Wirtschaft) realisiert werden. Das Mobile Game Lab hat das Potenzial, zu einer Plattform für viele Kommunen zu werden.

      Weitere Infos: www.mobilegamelab.de

      Annika Worpenberg und Prof. Dr. Barbara Grüter

      Erstellung der eigenen Schnitzeljagd im Mobile Game Lab, April 2013 // Foto: Kristina Seum

      Schnitzeljagd-Spieler in Ahaus, Juni 2013 // Foto: Annika Worpenberg

      Meldung vom 12.09.2013