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      Meldung vom 30.05.2018

      re:publica 2018 - ein Rückblick

      Die zwölfte re:publica fand vom 2. - 4. Mai 2018 in der STATION Berlin statt. Die re:publica ist eine Konferenz zu den Themen Internet und digitale Gesellschaft. Es treffen BloggerInnen auf PolitikerInnen; WissenschaftlerInnen auf UnternehmerInnen, KünstlerInnen auf AktivistInnen. Die TeilnehmerInnen (9.000 im vergangenen Jahr) diskutierten aktuelle Fragestellungen der digitalen Gesellschaft. Zum fünften Mal fand parallel die MEDIA CONVENTION Berlin, präsentiert von Medienboard Berlin-Brandenburg und Medienanstalt Berlin-Brandenburg statt.

      POP – so lautete das Motto der diesjährigen re:publica. Wer aber an Popmusik dachte, liegt daneben: POP steht nicht zuletzt auch für Populismus. POP ist, was die Massen erreicht, was unsere Gesellschaft verändert. Zum Guten, wie zum Schlechten. Die re:publika interpretierte POP als Kürzel für Power Of People und fragte sich „Wo liegt die Macht der Masse?“

      19 Bühnen, 300 Programm-Sessions, 600 SpeakerInnen
      Aus der Vielfalt des Angebots wählte ich drei Veranstaltungen aus, die die Themen Zivilcourage, Shitstorm und Fake News behandelten.

      Das Panel „Zivilcourage im Netz!“ rief alle NutzerInnen der Sozialen Medien auf, sich angesichts der dortigen Wut nicht weg zu ducken. Es forderte zur Zivilcourage auf, Haltung zu zeigen und sachlich zu diskutieren. Besprochen wurden Herausforderungen wie die tägliche Auseinandersetzung um Deutungshoheit, die Eigenmotivation sowie die Motivation der Community und der Umgang mit Populisten.

      Franzi von Kempis ist im Netz als “Die besorgte Bürgerin” unterwegs, die in kurzen Videos gesellschaftliche Phänomene wie Verschwörungstheorien, Populismus oder Hassrede anschaulich wie auch kritisch-humorvoll beleuchtet. Kübra Gümüsay, freie Autorin und Aktivistin, initiierte und gründete mehrere Vereine und Kampagnen, u. a. die anti-rassistische Kampagne #SchauHin, das feministische Bündnis #Ausnahmslos und die Kampagne “Organisierte Liebe” gegen Hass und für mehr Wohlwollen im Netz. Hannes Ley, Kommunikationsberater aus Hamburg, wollte nicht länger zusehen, wie Hasskommentare auf Facebook unwidersprochen stehen bleiben. Er gründete nach schwedischem Vorbild die Facebookgruppe #ichbinhier, die fast 38.000 Mitglieder täglich zum Schreiben sachlicher Kommentare aufruft.
      Der Vortrag in ganzer Länge auf <link https: www.youtube.com _blank external-link-new-window einen internen link im aktuellen>www.youtube.com

      Nach Nizza und München - Anatomie eines Shit-Tsunamis mit Richard Gutjahr, Journalist und Blogger, und Markus Kompa, Rechtsanwalt

      Nach der Berichterstattung von dem LKW-Terroranschlag in Nizza sowie dem Amoklauf von München geriet Richard Gutjahr und seine Familie ins Visier von Verschwörungstheoretikern, Reichsbürgern und Neonazis. Richard Gutjahr filmte zufällig den Anschlag von Nizza und war als einer der ersten Reporter beim Amoklauf in München (Gutjahrs Wohnsitz) vor Ort.

      Danach erschienen erste Hassvideos im Netz - zur Hochphase bis zu 1.200 Videos gleichzeitig. Zuerst ignorierte er die Videos. Dabei stellte er fest, dass der sogenannte Streisand-Effekt (never feed the troll) auch schon 15 Jahre alt ist und heute so nicht mehr greift. Also versuchte er sich zu wehren, indem er bei den jeweiligen Plattformen erst eine Verleumdungsbeschwerde, dann eine Datenschutz- und zum Schluss eine Copyright-Verletzung einreichte. Das erwies sich als kompliziert und zeitraubend. Als Reaktion erhielt er ein Schreiben von Google zurück, man möge sich doch untereinander bezüglich des Copyrights einigen. Darunter stand die private Adresse von Gutjahr und die Adresse des Urhebers des Hassvideos.

      Danach ging er zur Polizei. Nach einem sechsstündigen Gespräch mit einem Beamten passierte lange Zeit nichts. Schließlich erhielt er einen Bußgeldbescheid der Polizei mit dem Vermerk, er führe keine Adresse auf seiner Internetseite. Diese hatte er auf Raten der Ordnungshüter vorher gelöscht.

      Als das Licht am Ende des Tunnels aussah wie ein auf ihn zufahrenden Zug, beschloss er, sich rechtlichen Beistand zu holen und wandte sich an den Medienrechtsanwalt Markus Kompa. Mit dessen Hilfe konnte er das Blatt wenden. Unterlassungsklagen und Abmahnungen gegen Provider folgten, so wie die kurzzeitige Domainpfändung der verbreiteten rechten Plattform compact-online. Mittlerweile ist wieder mehr Licht am Ende des Tunnels zu sehen.

      Tipps an die Zuhörer: Nicht zu lange warten, eine Rechtsschutzversicherung haben und sich einen guten Medienanwalt nehmen.
      Der Vortrag in ganzer Länge auf <link https: www.youtube.com external-link-new-window einen internen link im aktuellen>www.youtube.com

      Desinformation und Fake News: Widerstand zwecklos? 

      Fake News und Propaganda im Netz haben an Bedeutung gewonnen. Patrick Gensing vom ARD-Faktenfinder <link http: faktenfinder.tagesschau.de _blank external-link-new-window einen internen link im aktuellen>

      faktenfinder.tagesschau.de

      stellte in einem Workshop seine Arbeit vor und diskutierte mit dem Publikum Herausforderungen und Grenzen im Kampf gegen Desinformation und Fake News. Der ARD-Faktenfinder versucht, gezielte Falschmeldungen zu widerlegen und Strategien zur Desinformation zu analysieren. Außerdem soll Medienkompetenz vermittelt werden. Patrick Gensing stellte Beispiele aus der Praxis vor und diskutierte mit dem Publikum die Herausforderungen und Grenzen solcher Projekte.

      Eine Falschmeldung alleine hat meist keine Wirkung. Sie tauchen vor allem bei Großveranstaltungen auf. Die Kampagnen sind häufig organisiert. Es wird ein neues Narrativ über eine alte Story geschaffen und der Hatespeech erfolgt nach einem Drehbuch auf allen Kanälen. Werden Menschen auf die fakenews aufmerksam gemacht, dann sagen sie häufig, „Ja, aber es hätte stimmen könne.“

      Weitere Infos :
      <link https: de _blank external-link-new-window einen internen link im aktuellen>

      18.re-publica.com/de

      <link https: www.youtube.com user republica2010 _blank external-link-new-window einen internen link im aktuellen>

      www.youtube.com/user/republica2010

      Kerstin Hehmann

      Blick in den Innenhof, Foto © Kerstin Hehmann

      Entspannung, Foto © Kerstin Hehmann

      Meldung vom 30.05.2018