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      Flüchtlingsprojekte im niedersächsischen Bürgerrundfunk

      Radio Globale – Musik & Gäste aus aller Welt bei oeins in Oldenburg. Foto: oeins

      In vielen niedersächsischen Bürgersendern gibt es Angebote für Flüchtlinge. Die Landesmedienanstalt hat uns dazu Informationen zur Verfügung gestellt, die Basis für weitere Recherchen waren.

      Im Herbst 2016 startete im Lokalsender oeins in Oldenburg das für 3 Jahre vom BAMF geförderte Projekt „Vielfalt hören, sehen, verstehen“. Unter dem Sendetitel „Radio Globale – Musik & Gäste aus aller Welt“ stellen MigrantInnen sowie Flüchtlinge aus Krisengebieten die Musik und Kultur aus ihren jeweiligen Heimatländern vor. Das Projekt dient dem interkulturellen Dialog zwischen zugewanderten und einheimischen OldenburgerInnen. Zugang zu kultureller Vielfalt durch Musik, Vertiefung der deutschen Sprachpraxis und praktische Medienteilhabe stehen im Mittelpunkt des Projektes.

      Wöchentlich gibt es das offene Radiotreffen. Hier ist ein Neueinstieg jederzeit möglich. Die Planung und Durchführung der Sendungen erfolgt in wechselseitiger Unterstützung. Zudem entstehen Radiobeiträge rund um die Themen Migration und Integration. Erweitert wird das Angebot auch für den Fernsehbereich. Neben der aktiven Beteiligung und der eigenen Präsenz in den Medien Radio und TV geht es außerdem um die Förderung von Medienkompetenz und eine berufliche Orientierung für Medienberufe.

      Radio aktiv in Hameln hat mit Kindern der Erstaufnahmeeinrichtung Linsingen Kaserne eine Ausstellung von Kinderbildern konzipiert, in der die Kinder verarbeiten, was sie erlebt haben und was sie sich für ihr Leben in Deutschland erhoffen. Die Ausstellung wurde im Sommer 2016 im Hamelner Kunstkreis und in Ausschnitten seit Dezember in den Räumen von radio aktiv gezeigt. Radio aktiv will damit nicht nur über lokale Geschehnisse berichten, sondern sich sozial und kulturell in der Region engagieren. Neben Praktika für Flüchtlinge plant Radio aktiv eine Bürgersendung von Flüchtlingen für Flüchtlinge.

      Bei h1 in Hannover wird ein dokumentarisches Filmformat entwickelt, bei dem eine neunköpfige aus Syrien geflohene Familie ein Jahr lang mit der Kamera beim neuen Leben in Deutschland begleitet wird. Ein monatliches 30-minütiges Magazin bietet zusammen mit einer längeren Dokumentation die Möglichkeit, den Integrationsprozess vor allem der sieben Kinder zu verfolgen. Wie sich ihre unterschiedlichen Blickwinkel auf die neue Heimat entwickeln, dürfte ein spannender Prozess werden.

      Um eine möglichst große Authentizität zu erreichen, sollen die Protagonisten selber – wie auch andere Flüchtlinge – intensiv inhaltlich und technisch bei der Produktion mitwirken, u. a. durch ein Praktikum im Sender fit gemacht werden. Wie funktioniert die Integration ins deutsche Schulsystem, wie ist die Wohnsituation, welche Rolle spielt der Glauben für die Muslime in der neuen Situation in Deutschland? – Diese und andere Themen sollen vor allem aus der Perspektive der Betroffenen behandelt werden.

      Radio Okerwelle in Braunschweig führt seit 2015 Projekte mit Kindern durch, um Vorurteile abzubauen und Verständnis für die Situation der Flüchtlinge zu schaffen. Während einer Projektwoche mit Kindern aus einer Grundschule wurden Interviews mit Geflüchteten geführt, die zum Beispiel am Ende des Weltkriegs aus den deutschen Ostgebieten, später aus der DDR oder erst kürzlich aus Syrien geflohen sind. In einer neuen Sendereihe werden Migranten aus verschiedenen Ländern vorgestellt, die in Braunschweig sicher eine richtige neue Heimat gefunden haben, seien es Musiker des Staatsorchesters, eine Kinderbuchautorin, ein Zahnarzt, ein TU-Professor oder der Geschäftsführer des Hauses der Kulturen.

      Im Rahmen dieses Projektes zeigen Braunschweiger Einwohner Flüchtlingen ihre Stadt mit ihren individuellen Wohlfühl- und Identifikationsorten. Flüchtlinge wiederum erzählen über ihre Städte, die sie zurücklassen mussten, und darüber, was sie hier vermissen. Radio Okerwelle organisiert ein interkulturelles Konzert mit alteingesessenen Musikern aus verschiedenen Ländern zusammen mit Flüchtlingen.

      „Warum und wovor fliehen Frauen? Was haben sie auf ihrer Flucht erlebt? Was erhoffen sie sich von ihrer Zukunft in Deutschland und speziell in Hildesheim?“ Diesen Fragen möchte das Medienkompetenz - und Geschichtsprojekt Gekommen um zu bleiben? bei Radio Tonkuhle nachgehen. Die Antworten gibt es im Programm von Radio Tonkuhle im Rahmen von Themenwochen und Sondersendungen. Das Projekt ist offen für alle, die sich für Frauen mit Flüchtlingshintergrund einsetzen wollen und dabei lernen können, wie Radio funktioniert. Geflohene Frauen sollen so weit wie möglich einbezogen werden. Mit der Geschichte jeder einzelnen Frau kann auch ihre Heimat mit der Landschaft, Kultur, politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse lebendig werden. Andreas Kreichelt von Radio Tonkuhle betont den medienpädagogischen Mehrwert: „Wer mit uns Radio macht, lernt gleichzeitig, wie Demokratie, Meinungs- und Pressefreiheit in Deutschland funktioniert und welche Mittel es gibt, Interessen und Ziele öffentlich zu machen. Es geht uns bei dieser Zusammenarbeit auch darum, unseren neuen Mitbürgerinnen zu zeigen, dass Frauen in Deutschland gleichberechtigt sind.“

      Im Refugee Radio Hildesheim kommen geflüchtete Menschen selbst zu Wort. Sie produzieren Beiträge über die eigene Fluchterfahrung, die politische Situation im Herkunftsland oder darüber, wie sie Hildesheim wahrnehmen. Fast alle Bürgersender bieten auch Praktikumsplätze für Flüchtlinge an, wenn die sprachlichen Barrieren dies zulassen.

      Weitere Infos: www.nlm.de

      Bernd Wolter

      Meldung vom 01.02.2017